Noch ein paar Tage. Dann geht der Flug zurück nach Berlin.
Ein spontanes Wochenende in Madrid
Am vorletzten Wochenende wollte ich die Zeit noch sinnvoll nutzen. Zaragoza liegt praktisch auf halbem Weg zwischen Madrid und Barcelona. In Barcelona war ich schon, aber Madrid? Das hatte ich bis dahin ausgelassen.
Also buchte ich relativ kurzfristig einen Bus, packte wenig ein und ließ mich treiben.
Madrid ist teuer. Mehr als Zaragoza, mehr als ich erwartet hatte. Aber die Stadt lohnt sich trotzdem. Hier ein paar Highlights:

Dieses Gebäude im Stil des Brutalismus wurde vom Architekten Francisco Javier Sáenz de Oiza entworfen und zwischen 1964 und 1969 erbaut. Es ist eines der außergewöhnlichsten und skurrilsten Beispiele spanischer Architektur des 20. Jahrhunderts. Die Form erinnert an einen riesigen, organischen Baum mit auskragenden, pilzförmigen Balkonen, die sich wie Geschosse nach oben ziehen. Trotz seines massiven Beton-Charakters hat es eine fast futuristische und skulpturale Anmutung.

Zwischen den Bäumen des Parque del Retiro ragt die Torre de Valencia hervor, ein markantes Wohnhochhaus mit rötlicher Fassade. Das Gebäude wurde Anfang der 1970er Jahre von Javier Carvajal entworfen, ist etwa 94 Meter hoch und war damals wegen seiner auffälligen Lage nahe dem Retiro und der Puerta de Alcalá sehr umstritten. Heute zeigt es eine spannende Mischung aus Großstadtarchitektur und ruhiger Parklandschaft.

Das Edificio Castelar am Paseo de la Castellana wirkt mit seinem gläsernen Baukörper, als würde es über dem hellen Travertin-Sockel schweben. Entworfen wurde es von Rafael de La-Hoz Arderius und Gerardo Olivares; gebaut wurde es ursprünglich zwischen 1977 und 1983. Für Madrid war das Gebäude damals architektonisch besonders mutig, weil große Teile der Büroflächen an einer ungewöhnlichen Tragstruktur hängen und der Bau dadurch sehr leicht und fast futuristisch wirkt. Später wurde es von Rafael de La-Hoz Castanys, dem Sohn des ursprünglichen Architekten, modernisiert. Heute gilt das Edificio Castelar als eines der markanten Beispiele moderner Architektur an der Castellana.
Die Nacht verbrachte ich in “The Bassement”, einem Club in Madrid. Kein schlechtes Ende für ein spontanes Wochenende.
Am nächsten Morgen wieder der Bus, zurück nach Zaragoza.
Ein neues Projekt, ein neuer Mensch
Noch vor dem Wochenende hatte ich erfahren, dass sich am ursprünglichen Projekt etwas ändern würde. Mein bisheriger Ansprechpartner in der Firma hatte sich kaum gemeldet, und es gab keine klare Fortsetzung. Stattdessen bekam ich eine neue Aufgabe zugeteilt.
Das neue Projekt war technischer Natur: eine PHP-Migration. Eine bestehende Software lief noch auf Version 5.4 und sollte auf 8.4 gebracht werden.
Was das Projekt besonders machte, war nicht die Aufgabe, sondern der Mensch, mit dem ich sie angegangen bin.
Der Professor
Krystoph ist Lehrer und Professor in Polen, unterrichtet an einer Highschool und einer Universität und gibt dort Kurse in Netzwerktechnik. Er ist seit Jahrzehnten in dem, was er tut, und man merkt das.
Er sieht aus wie eine entspannte Variante des Weihnachtsmanns: kaum Haare oben, langer grauer Bart, ruhige Stimme. Wenn er an einem Problem arbeitet, geht er es tastend an. Er formuliert laut, überlegt, korrigiert sich selbst. Kein Druck, kein Stress.
Und er benutzt Tools, die älter sind als ich.
Midnight Commander zum Beispiel, ein Dateimanager in der Kommandozeile, der mich grafisch zurückversetzt an meinen ersten PC mit Windows 95. Er zeigte mir, wie das Programm funktioniert.
Das ist schon interessant. Ich tendiere eher dazu, das zu nutzen was gerade mehr oder weniger im Trend ist oder was gerade modern ist. Aber manchmal ist das Werkzeug von vor 30 Jahren für die Aufgabe von heute vollkommen ausreichend.
Mit Christoph zu arbeiten war lehrreich auf eine Art, die ich nicht erwartet hatte.
Zaragoza Florece

Mittwoch war dann nochmal etwas anderes. Im Parque Grande José Antonio Labordeta fand die Veranstaltung Zaragoza Florece statt, ein städtisches Blumenfestival, das den Park für ein paar Tage in etwas verwandelt, das schwer zu beschreiben ist, wenn man es nicht gesehen hat.
Floristen aus Spanien und dem Ausland gestalten Ecken, Brunnen und Denkmäler des Parks um. Blumenarrangements, Live-Demonstrationen, Installationen. Die ganze Anlage wirkt plötzlich wie ein Filmset, das jemand aus Pflanzen gebaut hat. Genau der richtige Abend für eine letzte Woche.
Präsentation, und dann nichts mehr
Am Donnerstag haben wir das Projekt vorgestellt. Alles hat gepasst. Keine Überraschungen, kein Nacharbeiten. Einfach fertig.
Und jetzt ist eigentlich Schluss.
Die letzten Tage habe ich frei. Freitag Mittag noch ein kurzes Abschluss-Meeting, ein bisschen Feedback, ein paar Worte. Danach ist die Zeit hier offiziell vorbei.
Zwei Monate. Eine Unterkunft, dann eine andere. Kolleginnen und Kollegen aus Bulgarien, ein polnischer Lehrer mit einem Bart wie ein Patriarch, Kaffee der zu stark war und eine Filterkaffeemaschine für zwölf Euro. Prozessionen mit Trommeln, Tapas in engen Gassen, ein Bus der in die falsche Richtung fuhr.
Der Flug nach Berlin wartet.
