Erster Tage, erste Eindrücke

Nach dem Chaos der Anreise war der Schlaf an diesem Abend schnell da – und tief.

Morgen würde der erste echte Tag beginnen.

Montag früh. Erster Bus, erste Agentur, erstes Gespräch auf Spanisch.

Elena von Mundus empfing mich herzlich und gab mir eine kleine Einführung in Zaragossa: wo ich arbeiten werde, was mich erwartet, was ich noch wissen musste. Das Coworking Space liegt praktischerweise in derselben Straße – ein Büro, das ich mir ab und zu mit anderen Students teilen werde.

Etwas später folgte dann das erste Arbeitsgespräch. Alex, mein Ansprechpartner, skizzierte, womit ich die nächsten zwei Monate verbringen werde.

Das Unternehmen arbeitet an einem tragbaren KI-Assistenten – komplett offline und mit einem klaren Fokus auf Datenschutz. Die Idee: Menschen sollen jederzeit auf personalisierte Unterstützung im Bereich der psychischen Gesundheit zugreifen können, ohne dass sensible Daten in die Cloud übertragen werden.

Langfristig ist geplant, die KI in einen Assistenzroboter zu integrieren – einen Begleiter für den Alltag, für Körper und Geist.

Das Projekt bewegt sich somit an der Schnittstelle von KI, HealthTech, Offline-Systemen und Assistenzrobotik.

Meine Rolle konzentriert sich auf den Bereich des körperlichen Wohlbefindens. Konkret bedeutet dies:

  • Marktanalyse bestehender Lösungen im HealthTech-Sektor

  • Identifizierung von Lücken und ungelösten Problemen

  • Entwicklung maßgeschneiderter Konzepte für eine offline-fähige, datenschutzfreundliche KI

  • Technisches Design einer soliden Systemarchitektur

  • Prototyping, Testen und Verfeinern

Das Ziel ist klar definiert: nicht nur Daten sammeln, sondern konkrete Verbesserungen für den Nutzer liefern – direkt auf dem Gerät, ohne Cloud.

Nach dem Gespräch las ich mich in das Thema ein, bevor ich den Nachmittag nutzte, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Im Café La Petit Croissant – freundliches Personal, guter Kaffee – machte ich meine erste kleine Pause. Beim Einkaufen fiel mir etwas auf: Die Tasche muss am Eingang abgegeben werden. Kein Hinweisschild, einfach so erwartet. Wieder so ein kleiner Moment, in dem man merkt, dass man nicht mehr in Berlin ist.

Der zweite Tag war dann der erste offizielle Arbeitstag. Im Büro angekommen, waren bereits einige andere Students da – eine Gruppe aus Bulgarien und sogar jemand aus Deutschland. Das war angenehm. Ein paar Tipps zur Stadt, ein bisschen Smalltalk auf Deutsch. Nach dem Eingewöhnen fühlt sich so ein vertrautes Gespräch unverhofft gut an.

Am Nachmittag stand dann eine Stadtführung auf dem Programm. Diego führte uns zum Plaza de Nuestra Señora del Pilar – einem der bekanntesten Plätze der Stadt. Er erklärte, dass der Platz eine Anspielung auf Südamerika enthält, die sich eigentlich erst aus der Vogelperspektive erschließt, und dass die Form von 3 Steinquadrate auf die drei Schiffe von Kolumbus verweist.

Drei Marmorblöcke stellen die Schiffe von Kolumbus dar. Die gesamte Anlage ist ein Hinweis darauf, dass das Fest der Jungfrau von Pilar mit dem Tag zusammenfällt, an dem Kolumbus Amerika entdeckte.

Drei Marmorblöcke stellen die Schiffe von Kolumbus dar. Die gesamte Anlage ist ein Hinweis darauf, dass das Fest der Jungfrau von Pilar mit dem Tag zusammenfällt, an dem Kolumbus Amerika entdeckte.

Was mich am meisten beschäftigte: In der Kathedrale sind noch heute zwei Bomben aus dem Spanischen Bürgerkrieg zu sehen – eingeschlagen, aber nie explodiert. Diego erwähnte, dass viele Spanier ungern offen über diese Zeit sprechen, und dass es durchaus Stimmen gibt, die die Ausstellung der Bomben ablehnen.

Die beiden im Inneren der Basilica del Pilar ausgestellten Bomben sollen diejenigen sein, die am 3. August 1936 auf die Basilika abgeworfen wurden

Die beiden im Inneren der Basilica del Pilar ausgestellten Bomben sollen diejenigen sein, die am 3. August 1936 auf die Basilika abgeworfen wurden

Ich musste dabei unweigerlich an Deutschland denken. Wie wir gelernt haben, offen mit der eigenen Geschichte umzugehen. Nicht ohne Schmerz, aber mit dem Bewusstsein, dass Verdrängen langfristig nichts löst. Ob das besser oder schlechter ist, lässt sich schwer sagen – aber es ist anders.

Zwei Tage, zwei Welten.

Die Arbeit fühlt sich sinnvoll an – vielleicht sogar mehr, als ich erwartet hatte. Und die Stadt gibt mir das Gefühl, dass es noch viel zu entdecken gibt.

Auf dem Weg zurück zur Brücke machte ich noch ein paar Fotos. Der Wind war an diesem Abend so stark, dass er einem tatsächlich einen Moment den Schritt verschlug. Vorher hatte man mich gewarnt – aber manche Dinge muss man einfach selbst erleben.