Manchmal vergisst man, dass man eigentlich nur vorübergehend irgendwo lebt – bis man die Koffer wieder packt.
Mittwoch stand der Umzug an. Ich hatte die Übergangswohnung bis 17 Uhr zu räumen, also früh aufgehört, aufgeräumt, geputzt – so zurückgelassen, wie ich sie vorgefunden hatte. Dann kam das Taxi.
Die neue Unterkunft ist ein Studentenhotel: viele Zimmer, viele Studenten, deutlich weniger Anonymität als vorher. Das hat seine Vorteile. Auf der anderen Seite ist das Zimmer kleiner, die Kochnische reicht für das Nötigste – und ein paar Dinge fehlen noch. Kein Topf, kein Küchenlappen. Kleinigkeiten, aber man merkt es sofort.
Was die Unterkunft aufwertet: Es gibt einen Fitnessraum, einen Leseraum mit Tischen, einen großen Gemeinschaftsraum mit Couch und Fernseher, und sogar einen Spielraum mit Kicker. Außerdem wohnen die Bulgaren, die ich schon vom Shared-Office kannte, auf derselben Etage. Einer von ihnen erwähnte beiläufig, dass die Unterkunft erst seit dem 1. April in Betrieb ist. Wir sind also die ersten Bewohner hier. Zudem erklärt das vielleicht, dass noch einige Sachen fehlen.
Gründonnerstag
Feiertag – kein Arbeitstag. Ausschlafen, den Vormittag in Ruhe beginnen.
Am Nachmittag hat es mich dann doch in die Stadt gezogen. Und das war gut so.
Gründonnerstag gehört zu den intensivsten Tagen der Semana Santa, der Karwoche. Durch die Straßen ziehen die sogenannten Nazarenos – Büßer in langen Gewändern mit dem markanten Capirote, dem spitzen Kegelhut, der das gesamte Gesicht bis auf Augenschlitze bedeckt. Für jemanden, der das nicht kennt, wirkt das auf den ersten Blick seltsam. Der Gedanke dahinter ist aber eigentlich schlicht: Anonymität. Der Büßer soll unerkannt vor Gott treten, ohne sich damit öffentlich zu profilieren.

Die verschiedenen Farbkombinationen der Gewänder stehen für die unterschiedlichen Cofradías, also Bruderschaften, denen die Teilnehmer angehören. Auf den Bildern sieht man zum Beispiel Grün-Weiß, Blau-Weiß und Schwarz – jede Farbe eine eigene Gemeinschaft, eine eigene Geschichte. Im Hintergrund ist die Catedral del Salvador, die La Seo, zu sehen – und die Kulisse macht deutlich, wie ernst und feierlich das alles gemeint ist.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war der Klang. Eine Besonderheit in Zaragoza ist der massive Einsatz von Trommeln – Tambores und Bombos –, deren dumpfer, kraftvoller Rhythmus durch die ganze Stadt hallt. Man hört die Prozessionen, bevor man sie sieht.
Karfreitag
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Procesión del Santo Entierro – der Prozession des Heiligen Begräbnisses. Alle Bruderschaften der Stadt versammeln sich und ziehen gemeinsam durch die Straßen. Es ist die längste und wichtigste Prozession der ganzen Woche.
Besonders beeindruckend: die sogenannten Pasos, massive Tragealtäre mit kunstvoll geschnitzten Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu. Sie wiegen oft Hunderte von Kilos und werden von den Trägern, den Costaleros, Schritt für Schritt durch die engen Gassen balanciert. Die Stadt war voll, die Stimmung ganz anders als an normalen Tagen – feierlich, fast ein bisschen schwer.
Abends dann noch eine kurze Trainingseinheit mit den Bulgaren in der Unterkunft. Eine angenehme Art, den Tag ausklingen zu lassen.
Komoot und ein Burger-Festival
Den Sonntag habe ich die App Komoot mal wieder gestartet. Eine entspannte Route durch die Stadt, einfach laufen, schauen, ankommen. Hier ist der Link zur Route mit ein paar Fotos entlang der Strecke.
Zaragoza ist eine schöne Stadt – das kann ich inzwischen mit einiger Überzeugung sagen. Ein Mix aus modernen Gebäuden und älteren Bauten, je nach Viertel sehr unterschiedlich. Wo ich wohne, dominieren eher Hochhäuser. Andere Gegenden wirken dagegen sehr modern, mit auffälliger Architektur und Brücken, die sich lohnen anzuschauen. Baustellen gibt es viele – die Stadt ist offensichtlich im Wandel, auch wenn man das nicht immer sofort sieht.
Auf dem Rückweg bin ich noch über ein Festival gestolpert – Burger, Musik, irgendwelche Challenges. Irgendwie witzig, irgendwie typisch für ein entspanntes Wochenende hier.
Was mir in diesen Tagen insgesamt aufgefallen ist: Die Spanier legen wirklich viel Wert auf Geselligkeit. Abends sind die Bars voll, nicht weil alle feiern wollen, sondern weil man einfach zusammenkommt. Ein Getränk, ein Gespräch, der Abend. Das hat etwas Entspanntes, das ich in Berlin so nicht kenne.
Jetzt bin ich zurück. Müde vom Wochenende, aber auf eine gute Art. Morgen geht die Arbeit wieder los.
