Manchmal ist ein Tag einfach ein Tag. Kein besonderes Erlebnis, keine große Erkenntnis und trotzdem passiert irgendwie immer etwas.
Ankommen im Alltag
Kurz geschlafen, schwer aufgestanden. Der Tag begann langsam.
Was aber direkt auffiel: Die Tram zur Arbeit ist entspannter als gedacht. Einsteigen, sitzen bleiben, aussteigen – fertig. Kein Umsteigen, keine langen Wege. Im Vergleich zur vorherigen Unterkunft vorher ist das schon ein kleiner Gewinn.
Im Büro waren die Kollegen aus Bulgarien wieder da. Wir teilen uns das Coworking Space, und inzwischen gehört das fast schon zur Routine. Projekt weitergemacht, nichts Dramatisches.
Abends dann ein kurzes Training im Hostel-Gym, danach noch eine Runde spazieren und telefonieren. Manchmal ist das genug.
Der große Einkauf
Ich hatte mir vorgenommen, endlich zu Family Cash zu fahren. Meine “Recherche” hatte ergeben: günstig, groß, alles vorhanden. Perfekt für einen echten Vorratseinkauf.
Das Problem: Der Bus 502, den Google Maps empfohlen hatte, kam einfach nicht. Nach langer Wartezeit stieg ich irgendwann in die 602 ein und ließ mich überraschen.
Die Überraschung war: Der Bus fuhr in die komplett falsche Richtung.
Ich blieb sitzen und überlegte. Dann tauchte hinter der Scheibe ein riesiges Einkaufszentrum auf – mit einem Carrefour-Logo. Den Laden kannte ich noch aus Italien und Frankreich. Entscheidung gefallen.
Ausgestiegen, zurückgelaufen. Was sich nach Plan anhörte, war in der Praxis etwas abenteuerlicher: Kein richtiger Gehweg, nur ein angedeuteter Streifen neben einer Schnellstraße. Einen Moment lang wollte ich umdrehen. Dann kam das große blaues Logo in Sicht, und ein paar Hundert Meter weiter endlich auch ein befestigter Weg.
Das Einkaufszentrum selbst wirkte merkwürdig leer. Ein Matratzenladen, ein Schuhgeschäft, ein paar verlassene Ladenflächen. Aber der Carrefour dahinter war riesig – eigentlich größer als das Einkaufszentrum, das ihn umgibt. Kühlschränke, Töpfe, aufblasbare Sitzkissen, Brettspiele, Videospiele. Falls ich jemals komplett neue Wohnungseinrichtung benötige: ich weiß, wo ich hinfahre.
Und das alles in einer fast meditativen Stille. Keine Menschenmassen, kein Gedränge. In Berlin wäre ein Laden dieser Größe zur Hauptzeit kaum zu betreten.
Eine gute Investition ?
Kaffee ist für mich Genuss, Muntermacher und irgendwie auch ein gesellschaftliches Ding. Ein Grund, kurz abzuschalten und zu entspannen. In den letzten Jahren habe ich mich dabei sehr an Filterkaffee gewöhnt – milder, ruhiger.
Zaragoza sieht das etwas anders.
Hier ist Kaffee klein, kräftig und fast immer eine Espresso-Variante. Die Cafés rund ums Büro arbeiten alle mit Siebträgern, und jeder Americano, den ich bisher bestellt habe, war eher ein doppelter Espresso als das, was ich mir darunter vorstelle. Ich habe in mehreren Läden versucht zu erklären, ob man einfach etwas mehr heißes Wasser dazugeben könnte. Hat funktioniert – meistens jeden falls.
Grundsätzlich habe ich damit gar kein Problem. Aber auf Dauer fehlt mir das entspannte sippen an einem nicht ganz so starken Kaffee.
Mein letzter Versuch galt dem Burger King ums Eck. Systemgastronomie, dachte ich, ist überall gleich. Auch dort: kleine Portion.
Also kaufte ich im Carrefour eine Filterkaffeemaschine. Zwölf Euro. Filter für zwei, Kaffeepulver für fünf. Damit komme ich mindestens einen Monat hin – und bei einem durchschnittlichen Americano Preis für 1,70 Euro hat sich die Anschaffung nach etwa zwölf Tagen bereits bezahlt gemacht oder auch amortisiert. Grüße gehen raus an Frau Winkler.
Die ruhige Wochenmitte
Die Tage danach waren still. Gym genutzt, viel gelaufen, die Stadt ein bisschen mehr verinnerlichet.
Ein Abstecher zu El Rincon – dem Süßigkeitenladen in der Nähe des Büros. El-Rincon würde ich beschreiben als die Spätis von Zaragoza. Gefühlt an jeder Ecke ist ein El Rincon. Diese erkennt man schnell am gelben Erscheinungsbild. Und Sie kennzeichnen sich aus, dass zu 70% der dort verkauften Produkte aus Süßigkeiten bestehen. Hier hat man auch die Möglichkeit die Süßigkeiten selber zu wählen, also die Süßigkeiten liegen in Behältern, dann nimmt man eine Tüte und Schaufel und schaufelt sich die Tüte mit seinen Lieblingssüßigkeiten voll, was mich doch schon sehr an meine Kindheit erinnert.
Und beim Joggen ist mir einmal mehr aufgefallen, wie anders das Viertel des Hostels ist: Hochhaus neben Hochhaus, breite Straßen. Es erinnert mich manchmal an Marzahn, ein Stadtbezirk in Berlin.
Besonderer Besuch
Am Samstag holte ich meine Freundin vom Bahnhof ab.
Ich bin noch nicht lange weg – ein paar Wochen erst. Und trotzdem war das Wiedersehen intensiver als erwartet.
Der Abend war dann genau das, was er sein musste: kein Programm, kein Plan. Viel Reden, gemeinsam essen, abends noch durch die Stadt schlendern. Einfach ankommen – beide.
Berlanga und El Tubo

CaixaForum ist ein Kulturzentrum, wo die Temporäre Ausstelung über Luis García-Berlanga ausgestellt wird.
Am Sonntag waren wir im CaixaForum. Dort läuft gerade eine Ausstellung über Luis García-Berlanga – eine Ikone des spanischen Kinos im 20. Jahrhundert, der unter anderem El verdugo und Plácido drehte, letzterer wurde für den Oscar nominiert. Er lebte von 1921 bis 2010.
Die Ausstellung zeigte nicht nur seine Filme, sondern auch sein Leben abseits davon: den Spanischen Bürgerkrieg, sein Philosophiestudium, seine Malerei. Was am meisten hängen blieb, war sein Humor – trocken, ironisch, oft bitterböse. Eine Art, gesellschaftliche Realität zu zeigen, ohne sie zu erklären.
Danach: El Tubo, das bekannteste Tapas-Viertel der Stadt. Es war gegen 13 Uhr, und die Gassen waren voll wie eine Berliner U-Bahn in der Rushhour. In den meisten Bars holt man sich etwas an der Theke und stellt sich irgendwo hin – Stehtisch, Ecke, egal. Wir suchten uns einen Platz zum Sitzen, aßen gut, redeten viel.
El Tubo hat mir noch einmal gezeigt, was mir hier in den letzten Wochen immer wieder auffällt: Die Menschen in Zaragoza sind gesellig – nicht laut, nicht performativ, sondern einfach gern zusammen. Das hat etwas.
