Vor meiner Abreise hatte ich mir vorgestellt, wie ich nach zwei Monaten entspannt auf Spanisch plaudere. Jetzt, eineinhalb Monate später, bestelle ich meinen Kaffee, und werde trotzdem manchmal nicht verstanden.

Null als Ausgangspunkt

Ich hatte vor dieser Reise buchstäblich null Spanisch. Kein Schulunterricht, keine spanischsprachigen Freunde, keine nennenswerten Berührungspunkte mit der Sprache. Der Plan war also klar: von Grund auf neu anfangen.

In den Wochen vor der Abreise war die Motivation hoch. Ich hörte Podcasts auf Spanisch, arbeitete Sprachkurse durch, übte Vokabelkarten und schaute mir spanische Filme mit Untertiteln an, einfach um ein Gefühl für den Klang der Sprache zu bekommen.

Der Kaffee, der kam, irgendwann

Dann kam die Realität.

Eines der einprägsamsten Erlebnisse dieser Zeit war eine simple Kaffebestellung. Ich hatte endlich ein Café gefunden, das Filterkaffee anbot, auf der Karte stand café filtro. Eigentlich eindeutig.

Ich bestellte. Niemand verstand mich.

Mein Handyakku war leer, ich konnte also nicht schnell was nachschlagen oder zeigen. Der Mitarbeiter holte einen Kollegen, der Englisch sprach. Dem sagte ich, was ich wollte. Er antwortete weder mit Ja noch mit Nein, ich wusste bis zuletzt nicht, ob er mich verstanden hatte. Nach gefühlten 30 Minuten wollte ich schon gehen, leicht frustriert, weil ich mich weder verständigen noch nachfragen konnte.

Dann kam der Kaffee.

Was ich daraus mitgenommen habe: Im Spanischen sitzt jede Betonung, jede Aussprache. Wer nicht genau trifft, wird oft nicht verstanden, auch wenn das Wort eigentlich stimmt. Das ist keine Frage von Bosheit, sondern einfach von Gewohnheit. Die Menschen hier hören ihre Sprache auf eine bestimmte Art und alles, was davon abweicht, klingt für sie fremd.

Motivation mit Verfallsdatum

Am Anfang habe ich aktiv weitergemacht: Podcasts, Vokabeln, alles, was ich auch vor der Abreise schon gemacht hatte. Irgendwann hat das nachgelassen.

Der Grund war weniger Faulheit als Ernüchterung. Ich habe gemerkt, dass ich in zwei Monaten kein fließendes Spanisch sprechen werde, nicht weil ich es nicht versuche, sondern weil Sprachen Zeit brauchen. Mehr Zeit, als diese Reise hergibt. Und ich hatte schlicht zu wenig echten Kontakt mit spanischsprachigen Menschen. Die paar Begegnungen, die es gab, waren wertvoll aber zu selten, um wirklich etwas zu festigen.

Heute lerne ich nur noch passiv: beim Einkaufen, in kurzen Gesprächen, wenn ich versuche, das Gehörte einzuordnen.

Was geblieben ist

Und doch: etwas hat sich verändert.

Als mein neuer Chef neulich etwas auf Spanisch erklärte, auf einmal, ohne Pause, konnte ich ungefähr folgen, worauf er hinauswollte. Nicht Wort für Wort, aber dem Sinn nach. Das war am Anfang undenkbar.

Auch beim Einkaufen läuft es leichter. Ich verstehe schneller, was gemeint ist. Die Sprache hat sich irgendwie eingespielt, nicht durch aktives Lernen, sondern durch das einfache Dasein.

Was bleibt

Ich werde hier nicht als Spanischsprechender rausgehen. Keinen fließenden Satz bilden, keine spontane Unterhaltung führen.

Aber ich habe eine Sprache kennengelernt, die ich vorher überhaupt nicht kannte. Ich habe gemerkt, wie Sprache funktioniert, wenn man sie wirklich braucht, nicht im Kursraum, sondern in einem Café, mit leerem Akku und echtem Hunger.

Das ist mehr, als ich erwartet hatte. Und irgendwie auch genug.